Der harte Kern: Im neuen „Large Ensemble“ haben sich Mitglieder der ehemaligen „Brick Town Big Band“ zusammengefunden, um mit neuen Musikern unter der Leitung von David Krüger ein musikalisches Experiment zu wagen. Von links: Rolf Kehde, Moni Schmidt, Thilo Wesseler, Marcel Schmidt, Ralf Hürtgen, David Krüger und Rolf Hausdörfer. Im Vordergrund kniet Winfried Emmerich. Foto: Hajo Gärtner
Neue Band, neuer Sound
Die Big Band der Musikschule ist Geschichte, das „Large Ensemble“ übernimmt und klingt anders. Am Samstag gibt’s eine Klangprobe.
Hajo Gärtner
Lage. Der Big-Band-Betrieb geriet nach 14 Jahren ins Stocken, weil der langjährige musikalische Leiter Tobias Richter seinen Vertrag beendete und die Musikschule Lage verließ. Im Zusammenhang damit machten auch einige Mitspieler Schluss. Konsequenz: Das Ensemble war in der originalen Big-Band-Besetzung nicht mehr spielfähig. Etwas Neues musste her.
Rückblick: „Brick“ heißt der Stein auf Englisch. Auf diesen Namen wurde die große Big-Band-Truppe, die nun Geschichte ist, von rund 20 Musikern bei der Geburt dieses Ensembles vor rund 14 Jahren getauft: eine Anspielung auf die „Zieglerstadt“ Lage. Ihr erstes Konzert gab die Big Band dann auch stilbewusst im Ziegeleimuseum. Am Samstag feiert das neue „Large-Ensemble“ sein Debüt: genau so stilbewusst, aber zu Hause im Technikum.
Um im Bild zu bleiben: Der Frachter „Large Ensemble“ ist von der Anzahl der „Matrosen“ her noch nicht ganz so groß wie das einstige Flaggschiff „Brick Town Big Band“. Ehemalige Mitglieder geben zwar im neuen „Large Ensemble“ auch den Ton an. Dazu haben sich nach einem Aufruf in der LZ aber weitere Musiker gesellt: E-Bass, E-Gitarre, Piano, Keyboard, Bongos. „Ich hätte gern auch Streicher dabei oder eine Harfe“, sagt David Krüger. Er wählt neue Musiker nicht nach Vorgabe frei gewordener Positionen der Big Band, sondern hat im LZ-Aufruf „grenzenlos“ eingeladen: Jeder kann kommen, und die Musik wird dann nach den Fähigkeiten der Newcomer designt. Nicht „Das brauchen wir!“ bildet die musikalische Grundlage, sondern: „Was kannst du?“
„Large Ensemble“ ist auch nicht der Bandname, sondern Bezeichnung für eine Stilrichtung, so wie eben auch „Blasorchester“ oder „Big Band“. Die ersten Proben haben gezeigt, dass Krüger dem Sound eine ganz eigene Prägung verpasst: jazziger, rockiger, sphärischer, komplexer.
So wirkt es wie eine glückliche Fügung, dass alles zusammenpasst. Vielleicht auch deshalb, weil einige Newcomer mehrere Instrumente beherrschen und an den Tasten und Saiten flexibel eingesetzt werden können. Dass „Trainer“ David Krüger vom Saiteninstrument her kommt (E-Gitarre, E-Bass) und das Schlagzeug liebt, erzwingt geradezu einen anderen Sound als in einem sinfonischen Blasorchester. Die Bläser vermissen deshalb jetzt schon schmerzlich die „B“s ihrer vertrauten Tonarten „B“ „Es“ und „As“: Plötzlich haben sie es mit den Gitarre-verliebten Kreuzchen („#“) des Harmonie-Gefüges in „H“, „E“ und „A“ zu tun.
Wenn den Bläsern das zu sehr gegen den Strich gehen sollte, ist der Ensemble-Leiter durchaus bereit, ein Stück entsprechend zu transponieren: „Anything goes“. „Hauptsache, es geht was“: Das ist Krüger am wichtigsten. Und es muss auch nicht gleich im ersten Anlauf perfekt klingen. Nur am Ende: Da sollte das Resultat überzeugen.
Ob das klappt: Davon können sich die Lagenser und ihre Gäste am kommenden Samstag, 30. November, ab 20 Uhr überzeugen. Zuvor treten ab 19.30 Uhr leistungsstarke Ensembles und Solisten auf. Die Nacht ist gegen 21.30 Uhr zu Ende. So ist’s geplant, so soll's kommen. Stefan Albrecht: „Ich bin zuversichtlich, dass sich dieses neue Angebot etablieren wird.“
Lippische Landeszeitung vom 29. November 2024
